Sphärisches Video

Dreieck

Beim 360°-Video erlebt der Betrachter etwas Verblüffendes: einerseits sieht er waschechten Videostream - andererseits kann er seine Blickrichtung im Video beliebig steuern. In den sphärischen Varianten: nach links, nach rechts, noch oben und unten.

Ursprung

Historisch gesehen hat das 360°-Video seinen Ursprung im Straßenfilm. Die Pioniere orientierten sich offenbar am StreetViews-Programm von Google. So wurden bereits vor 2010 Versuche sichtbar, die fotografische Panorama-Technik von StreetViews mithilfe des sphärischen Videos zu überbieten (vornehmlich in Kanada und den USA).

Die Anwendung blieb natürlich nicht bei Straßen stehen. Die traditionellen Trägersysteme (Autos und Helikopter, später auch Drohnen) legten den Einsatz jedoch primär für den Außenbereich fest.

Technisches Prinzip

Technisch gesehen wiederholt das 360°-Video den Leitgedanken des Kugelpanoramas. Nur eben im filmischen Metier. Insofern ist das Prinzip der Kamerasysteme generell gleich: Durch den Synchroneinsatz einer Mehrzahl von Videolinsen wird ein "Film" produziert, dessen Frames jeweils das volle Spektrum möglicher Blickrichtungen abdecken.

Die Abläufe unterscheiden sich hier deutlich vom konventionellen Video. Während dort der gesamte Frameinhalt im Betrachterfenster abgebildet wird, verhält es sich beim 360°-Video wie beim Kugelpanorama: Der sichtbare Inhalt zeigt jeweils nur einen Bruchteil der geladenen Daten.

Die Funktionsweise mag durch die nachfolgenden Demo anschaulicher werden. Sie können hier zwischen 2 Filmansichten wechseln. Zunächst sehen Sie das Video in der natürlichen Ansicht. Der Switch ermöglicht Ihnen anschließend den Blick auf den vollen Inhalt. Das Geheimnis dabei: es handelt sich um ein und denselben Film.

Demo Sphärenansicht

Die sphärische Ansicht ist wohl eher verwirrend. Wahrscheinlich entspricht sie der Art, wie Lebewesen mit 6 oder 8 Augen die Welt wahrnehmen. Da wir jedoch nur 2 davon, erscheint uns das Ganze eher als psychedelische Darbietung.

Dennoch sind die Inhalte sehr aufschlussreich: Letztlich definieren sie den Spielraum, in dem sich die natürliche Ansicht bewegen kann. Alle denkbaren Perspektiven sind hier bereits enthalten. Ganz einfach, weil die entsprechenden Inhalte vom sphärischen Films abgebildet werden.

So verdankt sich der vertraute Sichtmodus beim 360°-Video auch einem Kunstkniff: Er stellt sich ein, weil das Playerfenster nur einen begrenzten Flächenausschnitt im sphärischen Film zeigt. Der Rest läuft zwar im Hintergrund mit, erscheint aber erst, wenn das Fenster in der Sphäre aktiv verschoben wird. Der Betrachter erlebt diese Verschiebung als aktive Steuerung seiner Blickrichtung.

Genial? Durchaus. Der Aufbau erklärt jedoch auch, warum die Datenmenge die zentrale Herausforderung beim 360°-Video bleibt. Ganz gleich, auf welcher Evolutionsstufe: Soll ein Teilausschnitt der Sphäre in guter Qualität abgespielt werden, dann landet man schnell bei Größenordnungen, die dem klassischen Video völlig fremd sind. Daher fasziniert das Medium nicht nur, es bliebt wohl auch längerfristig ein Ansporn für Innovationen.

Obwohl die Technik schon relativ lange existiert, wurden ihre Effekte erst 2015 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Im entsprechenden Jahr haben Youtube und Facebook einen überfälligen Schritt getan: sie haben ihre Plattformen für das Medium geöffnet.

Unterwartete Unterstützung bekam das 360°-Video dabei durch Ansätze, die die Technik im Spielfeld von VR-Entwicklungen nutzbar machen.

Innenbereich

Dreieck

Panorama S ist aus der Digital-Abteilung von   e-rent entstanden. Wir haben uns hier ab 2010 mit dem 360°-Video beschäftigt. Die Tüfteleien haben schließlich auch zu einer Erfindung geführt (Umsetzung: 2012).

Ziel dieser Neuerung war, das 360°-Videos auch innerhalb von geschlossenen Räumen einzusetzen (Immobilien, Geschäfte, Hallen etc.). Dass das Medium traditionell im Außenbereich spielt, hat einen einfachen Grund: Kameras und Rekorder-Systeme können hier leicht auf Autos oder am Helikopter installiert werden. Da man solche Dinge aber nicht in das Innere von Gebäuden mitnehmen kann, war ein geeignetes Trägersystem gefragt.

Die Lösung lieferte ein ferngesteuertes Roversystem. Der Prototyp ist eine komplette Eigenkonstruktion. Er wird durch einen Elektromotor angetrieben und von einem Punkt außerhalb der Räumlichkeiten ferngesteuert (befände sich der "Kameramann" in der Wohnung, so würde er unweigerlich mit abgebildet).

Monitoring und Steuerung (von Bewegungsablauf und Geschwindigkeit) erfolgen dabei kabellos über eine Kombination aus Tablet und Pistolensender.